Das erste Gewächshaus in Almería entstand im Jahr 1963, als Teil des Programms Colonos. Das Programm gehörte zum landwirtschaftlichen Programm zur Zeit des Franco Regimes. Ursprünglich ist das Gebiet in Almería eine Wüste, aber mit verhältnismäßig hohem Grundwasserspiegel. Im Rahmen von Colonos bekamen mittellose Landarbeiter ein Stück Wüste geschenkt. In den Anfangsjahren wurden hier Weintrauben angebaut, die in den Zielmärkten Südspanien, und später auch in Gesamtspanien abgesetzt wurden. Bis zum heutigen Tag ist dort die größte Gewächshausfläche der Welt entstanden, das so genannte „Mar de Plástico“ (Meer aus Plastik)

Es ist der Gemüsegarten Europas. Fast alle Anbauprodukte werden aus Spanien heraus exportiert. 27.7% der Ernte werden beispielsweise nach Deutschland ausgefahren. Auch Belgien und Frankreich gehören zu den größten Abnehmern.

Unternehmer sahen das Potential von Almería und investierten in den Ausbau der Gewächshäuser. Um konkurrenzfähig im Markt zu bleiben sind die Gewächshausbetreiber auf den Einkauf von Pestiziden und gentechnisch veränderten Pflanzen angewiesen. Pharma und Pestizid-Industrie verwenden die Gewächshäuser als Versuchsfelder für neue Entwicklungen. Durch den Einkauf gentechnisch manipulierter Saat verschulden sich die Betreiber der Gewächshäuser immer mehr, da zudem die Abnehmer der Produktion, zumeist große Supermarktketten, die Preise bestimmen.

Die Unternehmer haben in Almería investiert, weil die Arbeitskräfte günstig waren, und man ganz Europa über den Landweg mit Früchten und Gemüse versorgen kann. Der relativ günstige Transport mit LKW gilt als ein großer Standortvorteil. Zudem kommen fast alle Arbeiterinnen und Arbeiter aus Afrika, größtenteils illegal eingewandert. Sehr günstige Arbeitskräfte kommen auch aus Osteuropa, z.B. Ungarn, Bulgarien und Rumänien.

In meiner Arbeit geht es unter anderem darum, was von dem Gemüsegarten Europas in Spanien bleibt: Eine große Menge Plastikmüll. Dieser Müll wird nicht etwa wiederverwertet, sondern bleibt einfach da. Oder die Besitzer der Gewächshäuser verbrennen das Plastik illegal, oder lagern es in anliegenden Gebieten. Im Jahr 2018 entstand dadurch ein großer Brand im benachbarten Naturschutzgebiet Doñana. Hier leben die letzten Exemplare des bedrohten Pardelluchs, von denen nur 3 Familien den Brand überlebten.

Wenn man in einem reichen mitteleuropäischen Land das ganze Jahr Tomaten essen will, muss man auch daran denken, dass dies hohe Kosten mit sich bringt. Felder müssen normalerweise brach liegen, bevor sie wieder fruchtbar sind. Nun wird der Boden mit Pestiziden und gentechnisch verstärkten Pflanzen bearbeitet. Das Ernten rund um die Uhr und zur jeder Jahreszeit auf dem Land, ist eine harte und schlecht bezahlte Arbeit. Diese Arbeit wird hauptsächlich von Menschen ausgeführt, die keine andere Wahl haben, z.B. Migrantinnen und Migranten mit unklarem Aufenthaltsstatus. Darunter sind die Migrantinnen in einer noch schlechteren Situation.

Im letzten Jahr organisierten sich einige Frauen, Marokkanerinnen, die auf Erbeerfeldern gearbeiten haben, mit Unterstützung verschiedener feministischer Gruppen in Andalusien. Sie sind auf die Straße gegangen mit dem Slogan: „Sin explotacion laboral, ni sexual“ (Ohne Ausbeutung der Arbeitskraft, ohne sexuelle Ausbeutung). Die Frauen werden schlechter bezahlt und es gibt häufig Fälle von sexuellem Missbrauch. Die meisten sind Muslima. Daher dachten sich einige Arbeitgeber: Sie brauchen das Geld, sie können nicht mehr nach Marokko zu ihren Familien, wenn sie vergewaltigt wurden, und weil sie illegal sind, können sie auch keine Anklage erheben. 

Es ist nicht möglich, das 1kg Tomaten nur 1,50€ kostet oder Erbeeren das ganze Jahr über auf den Tisch kommen, ohne dass Natur und Menschen dafür ausgebeutet werden. Trotz vieler Drohungen haben es die Frauen geschafft, die Gewächshausbetreiber anzuklagen.

Galerie Wedding SoS (Soft Solidarity), Berlin // " Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit"

Der zweite Teil der Ausstellung bezieht sich auf die Aufführung Die Pauschalreise von Alice Creischer, die 1989 im Kunstraum Wuppertal stattfand.  Der Text wird in einer Installation vorgelesen. Der Prolog dazu wird in einem Video gezeigt.  Der Text handelt von drei Arbeiterinnen einer Spinnerei, die als Los eine Pauschalreise nach Griechenland gewinnen. Aber dort – in diesem imaginären Ort – fühlen sie sich überflüssig, weil sie nicht arbeiten.  Unter dem Titel Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit reflektiert die Ausstellung über die zunehmende Entfremdung immer komplexer werdender Arbeitsprozesse und  Formen von Wertschöpfungen, sowie einem möglichen Ausweg über die Kollektivierung und Solidarität. 

Die Ausstellung ist kuratiert von Nataša Ilic.

Alice Greischer, Eva Durovec ,María Fernández Verdeja, Margarita Tsomou  und Andreas Siekmann (»Blatt zu Bitcoin«).